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Raubfliegen vom Roßstein bei Dörscheid (Mittelrheintal, Rheinland-Pfalz) nebst Anmerkungen zur Verbreitung in Rheinland-Pfalz (Diptera: Asilidae)

[Robber flies from Roßstein near Dörscheid (Rhineland-Palatinate, Rheinland-Pfalz), with notes on the distribution in Rheinland-Pfalz (Diptera: Asilidae)]

von
Fritz GELLER-GRIMM, F., DIKOW, T. & NIEHUIS, M.
Frankfurt a. M. (Deutschland)     Ithaca (USA)     Albersweiler (Deutschland)
(2003)

[veröffentlicht in: Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz, Zeitschrift für Naturschutz (GNOR) 10(1): 85-98; Landau.


Abstract: Eighteen species of robber flies (Diptera: Asilidae) have been collected through the use of Malaise traps at Roßstein near Dörscheid (Rhineland-Palatinate, Lahn-Ems county). Among the specimens there are three new records for this federal state. Notes on the collected material as well as other interesting records of robber flies are provided. The species diversity recorded from this federal state increased from 43 to 53 species.
Key words: Diptera, Asilidae, Germany, Rheinlad-Pfalz

Kurzfassung: Weltweit sind mehr als 6.800 Raubfliegenarten bekannt. Davon sind 81 in Deutschland vertreten (Geller-Grimm 1999). Der Verbreitungsschwerpunkt liegt in den Tropen und Subtropen, wobei auch Wüsten- und Halbwüstengebiete eine hohe Diversität aufweisen. Nördlich der Alpen sind die klimatischen Bedingungen für viele Arten ungünstig. Da zahlreiche Raubfliegen thermophil sind, fällt die Artenvielfalt zu den nördlichen Bundesländern Deutschlands deutlich ab. Allerdings fehlen für zahlreiche Gebiete Deutschlands faunistische Erhebungen. Die bisherigen Meldungen hat Wolff (2003) auf einer Internetseite zusammengefasst.
Stichwörter: Diptera, Asilidae, Deutschland, Rheinlad-Pfalz

 

1. Einleitung

Weltweit sind mehr als 6.800 Raubfliegenarten bekannt. Davon sind 81 in Deutschland vertreten (Geller-Grimm 1999). Der Verbreitungsschwerpunkt liegt in den Tropen und Subtropen, wobei auch Wüsten- und Halbwüstengebiete eine hohe Diversität aufweisen. Nördlich der Alpen sind die klimatischen Bedingungen für viele Arten ungünstig. Da zahlreiche Raubfliegen thermophil sind, fällt die Artenvielfalt zu den nördlichen Bundesländern Deutschlands deutlich ab. Allerdings fehlen für zahlreiche Gebiete Deutschlands faunistische Erhebungen. Die bisherigen Meldungen hat Wolff (2003) auf einer Internetseite zusammengefasst.

Choerades marginata
Abb. 1: Die Raubfliege Choerades marginata (Linnaeus, 1758) auf Beute lauernd.
Foto: F. GELLER-GRIMM

Neben den klimatischen Bedingungen sind insbesondere die Böden ein wichtiges Kriterium. Diejenigen Arten, deren Larvalstadien im Boden leben, bevorzugen sandige und lockere Böden.
>Raubfliegen sind entgegen der von Melin (1923) aufgestellten These auch als Larven räuberisch und treten als Ekto- und Endoparasiten von verschiedenen Insektenlarven auf. Die Vertreter der Laphriinae legen ihre Eier an verschiedenen Hölzern ab, wo die Jugendstadien den Larven von Bock- und Prachtkäfern (Coleoptera: Cerambycidae und Buprestidae) nachstellen. Die Larvalstadien der restlichen in Mitteleuropa vorkommenden Arten leben dagegen im Boden. Dort gehören überwiegend Blatthornkäferlarven (Coleoptera: Scarabaeidae) zu ihrer Beute.
Zahlreiche Unterschiede lassen sich bei der Eiablage erkennen. So besitzen die europäischen Laphriinae einen teleskopartig verlängerbaren Eiablegeapparat (Ovipositor), mit dem sie die Eier oder Eipakete tief in der Rinde bzw. in vorhandenen Bohrlöchern versenken können. Ganz anders legen Vertreter der Asilinae ihre Eier ab. Dank einem mehr oder minder messerartigen Ovipositor versenken sie ihre Eier beispielsweise zwischen Kelch- und Blütenblättern. Von den Vertreten der Dioctriinae und Leptogastrinae kennt man überwiegend das lose Anheften an Pflanzen oder das Auf-den Grund-Fallenlassen.
Die Imagines zählen in manchen Regionen der Welt zu den bedeutendsten Insektenjägern. Üblicherweise sind die jeweiligen Arten an besondere Strukturen gebunden. So sitzen die Laphriinae meist an Stämmen oder trockenen Ästen an, die Dioctriinae bevorzugen die niedrigere Vegetation, und die Leptogastrinae lassen sich nur selten nieder. Vertreter der Asilinae sitzen in der Regel auf offenen Stellen auf dem Boden. Raubfliegen sind zum Großteil Lauerjäger, d. h. sie beobachten ihre Umgebung von einem Ansitz aus. Fliegt ein Objekt an ihnen vorüber, starten sie und müssen in kürzester Zeit entscheiden, ob es sich um eine potentielle Beute, eine mögliche Gefahr oder um einen Artgenossen handelt. Ähnlich wie von anderen Raubtieren, wird gelegentlich von Kannibalismus bei Asiliden berichtet. Diese Beobachtungen beruhen aber meist auf Tieren in Gefangenschaft. Im Freiland konnte dieses Verhalten nur äußerst selten beobachtet werden. Eine Präferenz für eine bestimmte Beute scheint, von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, nicht zu bestehen. Maßgeblich ist die Größe, wobei die Tiere nicht davor zurückschrecken, auch einmal Beute zu ergreifen, die das Vierfache ihrer eigenen Körpergröße besitzt.
In den letzten Jahren sind interessante Beobachtungen über das Verhalten der Raubfliegen veröffentlicht worden. Die im Vergleich zu anderen Fliegen enorme Größe der meisten Asilidae ermöglicht auch das ungestörte Beobachten im Freiland. Da inzwischen zahlreiche Bestimmungsschlüssel erstellt wurden und verfügbar sind, ist zu hoffen, dass weitere Naturbegeisterte sich mit diesen Tieren beschäftigen werden.

Die Bearbeitung der Asiliden schließt sich an eine Serie weiterer Publikationen an, die sich mit der Fauna des Roßstein befassen: CÖLLN, * & NIEHUIS (2003), GEISSEN & NIEHUIS (2001), GÜNTHER & NIEHUIS (2002), HAUSER & NIEHUIS (2001), HOLSTON & NIEHUIS (2002), JANSEN & NIEHUIS (2003), MERZ & NIEHUIS (2001) und TSCHORSNIG & NIEHUIS (2000, 2001). Für die Bearbeitung weiterer Gruppen werden Bearbeiter gesucht.

2. Fundort, Material und Methode

Die Asiliden stammen aus zwei Malaisefallen, die von M. Niehuis vom 28. April 27. September 2002 aufgestellt waren und während dieser Zeit zehnmal geleert wurden (Tab. 1).
Der Fundort Roßstein bei Dörscheid ist rechtsrheinisch im Naturraum Mittelrheintal gelegen (Lahn-Ems-Kreis, TK 5812SW, UTM MAO5SO). Er ist Teil des Rheinischen Schiefergebirges, springt - entsprechend der variskischen Streichrichtung - wie die wenige Kilometer entfernte Loreley nach Westen vor und weist dadurch eine sonnenexponierte Flanke auf.
Die Südhänge sind lückig mit totholzreichem Eichengebüsch (Quercus petraea) bewachsen, dazwischen finden sich zerstreut Hainbuche (Carpinus betulus), Weißdorn (Crataegus spp.), Felsenahorn (Acer monspessulanum), Weichselkirsche (Prunus mahaleb), Schlehe (Prunus spinosa), Heckenrose (Rosa canina), Rubus-Arten und Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum).
Die Lage am Rande des engen Talkessels, der in der Verlängerung der Nördlichen Oberrheinebene liegt, bewirkt ein mediterran getöntes Klima mit (im Wind- und Regenschatten des Hunsrücks) geringen Jahresniederschlägen, milden Wintern und warmen, trockenen Sommern, die die Voraussetzung für den Weinbau und für das Überleben zahlreicher thermo- und xerophiler Tier- und Pflanzenarten darstellen. Als günstig für die Besiedlung erwies sich die Lage am Treffpunkt wichtiger Einwanderungsstraßen (Rhein, Mosel, Nahe). Das Gebiet beherbergt heute isolierte Populationen mediterraner Taxa, denen z. T. Subspezies- oder gar Speziesrang zugebilligt wird.
Die Malaisefalle MF o (=oben) stand an der oberen Hangkante auf einer grasigen Fläche zwischen dem Saum eines Eichenwaldes (Quercus petraea) und einem ausgedehnten Schlehen-Komplex (Prunus spinosa). Die zweite Falle MF u (= unten) stand sonnenexponiert auf einem Felsrücken über dem Rhein zwischen Felsen, totholzreichem Eichenwald und etwas Trockenrasen, umgeben von verschiedenen Kräutern und Gebüschen.

Das Material wurde von M. NIEHUIS und z. T. von H.-P. TSCHORSNIG ausgelesen und von T. DIKOW und F. GELLER-GRIMM determiniert. Insgesamt sind 231 Tiere gefangen worden. Die Tiere wurden vom Alkohol in Essigsäureäthylester überführt und anschließend genadelt und getrocknet. Die Bestimmung erfolgte nach Weinberg & Bächli (1995) und Geller-Grimm (2003). Die Nomenklatur richtet sich nach Geller-Grimm (1999, 2003).

3. Ergebnisse

Tab. 1: Leerungsintervalle.
L1:  28.04. - 06.05.2000   L6:  04.07. - 03.08.2000
L2:  06.05. - 18.05.2000 L7:  03.08. - 16.08.2000
L3:  18.05. - 30.05.2000 L8:  16.08. - 30.08.2000
L4:  30.05. - 20.06.2000 L9:  30.08. - 13.09.2000
L5:  20.06. - 04.07.2000 L10:  13.09. - 27.09.2000

Tab. 2: Artenliste, nach Leerungsintervallen geordnet. Fangzeiträume der einzelnen Arten grau unterlegt.

Exemplare

Nr.

Taxon

L1

L2

L3

L4

L5

L6

L7

L8

L9

L10

Summe

Unterfamilie Asilinae

1

Didysmachus picipes (Meigen, 1820)

14

3

5

2

24

2

Machimus cyanopus (Loew, 1849) *

2

8

4

12

4

1

31

3

Neoitamus socius (Loew, 1871)

1

4

5

4

Neomochtherus geniculatus (Meigen, 1820)

2

3

1

6

5

Neomochtherus pallipes (Meigen, 1820)

2

1

3

6

Tolmerus atricapillus (Fallén, 1814)

6

2

8

Unterfamilie Dioctriinae

7

Dioctria atricapilla Meigen, 1804

1

1

8

Dioctria harcyniae Loew, 1844

2

2

9

Dioctria hyalipennis (Fabricius, 1794)

1

1

24

19

1

46

10

Dioctria lateralis Meigen, 1804

1

1

11

Dioctria linearis (Fabricius, 1787)

1

1

1

2

5

12

Dioctria oelandica (Linnaeus, 1758)

1

1

1

3

13

Dioctria rufipes (De Geer, 1776)

13

5

12

30

Unterfamilie Laphriinae

14

Choerades femorata (Meigen, 1804) *

3

3

4

10

15

Choerades fimbriata (Meigen, 1820) *

1

1

16

Choerades marginata (Linnaeus, 1758)

1

1

1

3

Unterfamilie Leptogastrinae

17

Leptogaster subtilis Loew, 1847

1

2

4

1

1

9

Unterfamilie Stenopogoninae

18

Holopogon nigripennis (Meigen, 1820)

26

11

3

3

43

Summen

30

10

80

50

16

31

12

2

231

* = Erstnachweise für Rheinland-Pfalz

Tolmerus atricapillus
Abb. 3: Die Raubfliege Tolmerus atricapillus (Fallén, 1814) mit erbeuteter Weichwanze (Heteroptera: Miridae).
Foto: F. GELLER-GRIMM

4. Diskussion

4.1 Arten vom Roßstein

Für die Raubfliegen von Rheinland-Pfalz gibt es bis heute keine faunistische Gebietserfassung, wohingegen für die benachbarten Bundesländer Baden-Württemberg und Hessen bereits Veröffentlichungen vorliegen (Miksch, Doczkal & Schmid-Egger 1993, Geller-Grimm 1996). Lediglich die von Wolff (2003) erstellte Liste für Deutschland enthält auch eine Zusammenfassung für die aus Rheinland-Pfalz bekannten Arten.
Insgesamt wurden am Roßstein 18 Arten nachgewiesen. Aus früheren faunistischen Erhebungen aus Deutschland (vgl. Geller-Grimm 1995) geht hervor, dass an diesem Standort nur noch mit wenigen weiteren Arten gerechnet werden kann. Der Einsatz von Malaisefallen ist für die Bestandserhebung von Raubfliegen durchaus geeignet. Lediglich einige an Bäumen und in der Wipfelzone jagende Asilidae werden so wohl nicht erfasst.
Das Artenspektrum setzt sich aus überwiegend waldbewohnenden Arten zusammen, wobei die meisten randständige Strukturen bevorzugen. Drei der nachgewiesenen Arten waren zuvor aus Rheinland-Pfalz nicht bekannt.

Unterfamilie Asilinae Didysmachus picipes (Meigen, 1820)
Die Imagines dieser in ganz Europa verbreiteten Art treten bereits ab Mai auf. Aus bisherigen Verbreitungsangaben läßt sich eine Präferenz für thermophile Standorte am Rand und in den Mittelgebirgen erkennen. Im Gegensatz zu Dysmachus trigonus (Meigen, 1804) finden sich die Tiere auch in geschlossenen Wäldern. Bemerkenswert ist der messerartig gebaute Ovipositor der Weibchen, der eine tiefe Eiablage in Blattachseln (überwiegend Gräser) ermöglicht (wobei nicht in das Pflanzengewebe eingedrungen wird).

Neoitamus socius (Loew, 1871)
Die Vertreter der Gattung Neoitamus bewohnen überwiegend Wälder. Die Imagines lauern meist an besonnten Stämmen auf vorbeifliegende Beute. Im Gegensatz zu N. cyanurus (Loew, 1849) scheint diese Art deutlicher in höheren Lagen der Mittelgebirge verbreitet zu sein. Eine klare Trennung der jeweiligen ökologischen Nischen der Neoitamus-Arten ist derzeit aber noch nicht möglich, insbesondere wegen der zahlreichen Fehlbestimmungen.

Neomochtherus geniculatus (Meigen, 1820)
Auch diese Art tritt gehäufter in Süddeustchland auf. Die meisten Vertreter der Gattung sind Bewohner der Steppen, wobei diese auch auffällig heller gefärbt sind. Dagegen werden N. geniculatus und die nachfolgend behandelte N. pallipes regelmäßig auf randständigen Strukturen innerhalb der Mischwälder angetroffen und gehören zu den dunkel gefärbten Vertretern. Über ihre Biologie ist nur wenig bekannt.

Neomochtherus pallipes (Meigen, 1820)
Ebenso wie N. geniculatus scheint es sich um einen Bewohner der Wälder zu handeln, mit einem Schwerpunkt auf Sandböden. Die Imagines sitzen meist auf Blättern von randständigen Büschen und Bäumen an.

Machimus cyanopus (Loew, 1849)
Von dieser Art gibt es nur wenige Nachweise aus Deutschland (beispielsweise aus Thüringen). Dies liegt u. a. an der schwierigen Bestimmung. So wurde sie gelegentlich mit Machimus setibarbus (Loew, 1849) verwechselt. Dies trifft auch auf die von Geller-Grimm (1996) beschriebenen Meldungen für Hessen zu, die alle M. cyanopus zugeschrieben werden müssen. Es scheint sich um eine wärmeliebende Art der Wälder zu handeln, die ihren Verbreitungsschwerpunkt im südöstlichen Europa hat.

Tolmerus atricapillus (Fallén, 1814)
Eine der am weitesten verbreiteten Arten ist T. atricapillus, die in allen Waldbiotopen unterschiedlicher Höhenstufen angetroffen werden kann. Die Imagines treten insbesondere im Hochsommer auch innerhalb dicht stehender Wälder auf, wo sie vom Boden, wie auch aus Büschen und dem dichteren Blattwerk heraus ihre Beute anfliegen. Die Männchen lassen sich durch ein zweizipflig erweitertes letztes Sternit gut ansprechen, wohingegen die Weibchen leicht mit anderen Arten der Gattung verwechselt werden können.

Unterfamilie Dioctriinae

Dioctria atricapilla Meigen, 1804
Die in ganz Europa bis weit in die Mongolei verbreitete Art ist ebenso wie Tolmerus atricapilla als häufig einzustufen. Sie bevorzugt allerdings etwas feuchtere Standorte, wo sie neben dem Blattwerk randständiger Büsche auch die Gräser feuchterer Senken als Ansitz nutzt. Bemerkenswert ist das Eiablageverhalten der Dioctria-Arten. Der Ovipositor zeigt keinerlei Spezialisierung und die Weibchen lassen ihre Eier gewöhnlich einfach fallen (Melin, 1923). Dagegen zeigen die meisten Arten einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus. Die Männchen von D. atricapilla besitzen beispielsweise sehr viel dunklere Flügel als die Weibchen.

Dioctria harcyniae Loew, 1844
Leider finden sich zu dieser überwiegend südeuropäisch verbreiteten Art keine Angaben zu ihrer Biologie. Aus Deutschland sind nur wenige Funde bekanntgeworden, die eine Präferenz für warme Standorte erkennen lassen. Miksch, Doczkal & Schmid-Egger 1993 konnten die Art erstmals für Rheinland-Pfalz nachweisen (Battenberg und St. Goarshausen).

Dioctria hyalipennis (Fabricius, 1794)
Diese Art gehört zu den wenigen Vertretern innerhalb der Raubfliegen, die in der gesamten Holarktis verbreitet sind. In manchen Regionen treten andere Farbmorphen auf, die gelegentlich als eigenständige Taxa beschrieben wurden (beispielsweise D. baumhaueri Meigen, 1820). Dennoch muß eine eingehendere Studie die Synonymie bzw. Validität klären helfen. Ebenso wie D. atricapilla bevorzugt die Art feuchtere Senken am Rand oder in mitten von Wäldern, wird allerdings selten oberhalb von 300 müNN angetroffen.

Dioctria lateralis Meigen, 1804
Bei D. lateralis handelt es sich um eine thermophile Art, die insbesondere auf den Hängen entlang der großen Ströme auftritt. Bevorzugt tritt sie in offeneren Lebensräumen auf, wo sie über und innerhalb der niedrigeren Vegetation beobachtet werden kann.

Dioctria linearis (Fabricius, 1787)
D. linearis ist dagegen weiter verbreitet, auch wenn die bevorzugten Biotope denen von D. linearis ähneln. Auch sie jagt überwiegend in offenem Gelände, wobei feuchtere Areale bevorzugt werden.

Dioctria oelandica (Linnaeus, 1758)
Der größte Vertreter der Gattung ist in ganz Deutschland weit verbreitet, mit einem deutlichen Schwerpunkt in klimatisch begünstigten Gebieten. Die Tiere bevorzugen meist Sträucher innerhalb von Wiesen als Ansitz.

Dioctria rufipes (De Geer, 1776)
Diese bis weit nach Zentralasien verbreitete Art bevorzugt lichte Strukturen innerhalb dichterer Wälder, kommt aber auch gelegentlich in offeneren Biotopen vor.

Unterfamilie Laphriinae

Choerades femorata (Meigen, 1804)
Nach wie vor sind auch die Vertreter der Gattung Choerades Walker, 1851 nur unzureichend bekannt. Erst in den letzten Jahren konnten durch den Vergleich mit den Typen einige Determinationsprobleme gelöst werden. So handelt es sich bei der von Miksch, Doczkal & Schmid-Egger (1993) beschriebenen C. marginata s. str. um C. femorata, wohingegen die von iesen Autoren erwähnte Variation mit kürzerem ersten Fühlerglied hier als C. marginata bestimmt wurde. Über die Verbeitung von C. femorata und C. marginata läßt sich auf Grund der taxonomischen Schwierigkeiten derzeit keine Aussage treffen. Lediglich kann festgestellt werden, daß C. femorata seltener ist und kaum in Norddeutschland vertreten ist. Im südlichen Hessen tritt C. femorata überwiegend innerhalb der Mischwälder auf kleineren Lichtungen und entlang von Bächen auf, wo sie auf besonnten Blättern auf Beute lauert.

Choerades fimbriata (Meigen, 1820)
Bei der dritten neu für Rheinland-Pfalz gemeldeten Art handelt es sich um C. fimbriata, die im südlichen Deutschland weit verbreitet ist. Das bisherige Fehlen eines Nachweises zeugt von der schlechten faunistischen Bearbeitung dieser Familie.

Choerades marginata (Linnaeus, 1758)
Im Gegensatz zu C. femorata scheint diese Art offenere Waldbiotope und deren randständige Strukturen zu bewohnen.

Unterfamilie Leptogastrinae

Leptogaster subtilis Loew, 1847
Weiterhin bemerkenswert ist das Auftreten von Leptogaster subtilis. Gerade einmal von drei baden-württembergischen, zwei hessischen und einer rheinland-pfälzischen Lokalität ist die Art in Deutschland bekannt geworden. Von den vier Vertretern dieser Gattung gehört sie zu den seltensten, und kaum etwas ist über ihre Biologie bekannt. Daher könnte am Roßstein erstmalig diese Art im Freiland untersucht werden. Nicht nur morphologisch unterscheiden sich die Leptogastrinae von den übrigen Vertretern der Asilidae deutlich. Auch ihr Verhalten ist bemerkenswert, da die Tiere sich überwiegend innerhalb der dichten Vegetation aufhalten und meist aus dem Flug heraus auch auf Blättern sitzende Insekten erbeuten.

Unterfamilie Stenopogoninae

Holopogon nigripennis (Meigen, 1820)
Neben einigen Vertreten der Gattung Dioctria und den Arten der Gattung Stichopogon gehören die Holopogon-Arten zu den kleinsten Asilidae in Mitteleuropa. Beide in Deutschland vertretenen Arten sind thermophil. Überwiegend auf sandigen Böden jagen die Tiere von Büschen aus ihre Beute. An xerothermen Hängen innerhalb der Alpen treten beide Arten gelegentlich auch zusammen auf.

4.2 Ergänzende Funde aus anderen Landesteilen

Zusätzlich zu den genannten Arten sollen noch folgende Nachweise anderer Untersuchungen aus Rheinland-Pfalz erwähnt werden:

Choerades castellanii (Hradský, 1962)
Bienwald, 5 km W Büchelberg, 03.VII.1997, leg. M. HAUSER, 1 Männchen [Erstnachweis auch für Deutschland].

Dioctria bicincta Meigen, 1820
1 km westlich Gundersheim, 12.VI.1994, leg. O. NIEHUIS, 1 Weibchen.

Dioctria cothurnata Meigen, 1820
Neunkhausen, 07.VIII.1988, 1 Männchen, 1 Weibchen
Glashütten, 07.VII.1989, 1 Weibchen
Biebermühle, 31.VII.1992, 1 Männchen, 1 Weibchen
Salzwoog, 01.VIII.1992, 2 Männchen
Hinterweidenthal, 01.VIII.1992, 2 Weibchen (alle bisherigen leg. F. MALEC)
Johanniskreuz, 10km SSE Kaiserslautern, 21.VII.1995, 1 Männchen, 1 Weibchen, leg. F. GELLER-GRIMM

Dysmachus praemorsus (Loew, 1854)
1 km NW Mühlheim, 23.VI.1994, 1 Weibchen, leg. F. MALEC

Laphria gibbosa (Linnaeus, 1758)
Kaiserslautern, 15.VIII.1942, 5 Männchen, 1 Weibchen, leg. STRASBURGER [Coll. Senckenberg Museum]

Leptogaster pubicornis Loew, 1847
Albersweiler, 20.VI.1993, 1 Männchen, leg. O. NIEHUIS
Nahetal, Schloßböckelheim, 29.VI.1993, 1 Männchen, 1 Weibchen, leg. D. DOCZCAL
Alsheim, 20 km N Worms, Lösswand, 30.VI.1995, 1 Männchen, 3 Weibchen, leg. M. HAUSER
Mainz-Mombach, 08.VII.1995, 2 Männchen, 1 Weibchen, leg. A. ZEHM
Nahetal, Schloßböckelheim, 19.VI.1996, 1 Männchen, 1 Weibchen, leg. C. SCHMID-EGGER

Neomochtherus pallipes (Meigen, 1820)
Bobenheim-Roxheim, Sandgrube, 25.VI.1993, 1 Männchen, leg. O. NIEHUIS
Alsheim, 1,2 km nördlich Worms, Lößwand, 11.VII.1995, leg. M. HAUSER

Rhadiurgus variabilis (Zetterstedt, [1838])
Umgebung Kaiserslautern, zwischen 1946 und 1956, 1 Weibchen, leg. J. ROMS [Coll. Senckenberg Museum]

Insgesamt erhöht sich mit dieser Arbeit die Artenanzahl von 43 auf 53. Weitere Beobachtungen und Aufsammlungen sind notwendig, da schätzungsweise bis zu 60 Arten in Rheinland-Pfalz vorkommen könnten.

4.3 Auflistung aller aus Rheinland-Pfalz bekanntgewordenen Arten

Unterfamilie Asilinae

Antipalus varipes (Meigen, 1820)
Asilus crabroniformis Linnaeus, 1758
Didysmachus picipes (Meigen, 1820)
Dysmachus praemorsus (Loew, 1854) *
Dysmachus trigonus (Meigen, 1804)
Eutolmus rufibarbis (Meigen, 1820)
Machimus arthriticus (Zeller, 1840)
Machimus cyanopus (Loew, 1849) *
Machimus rusticus (Meigen, 1820),
Neoitamus cothurnatus (Meigen, 1820)
Neoitamus cyanurus (Loew, 1849)
Neoitamus socius (Loew, 1871)
Neomochtherus geniculatus (Meigen, 1820)
Neomochtherus pallipes (Meigen, 1820) *
Pamponerus germanicus (Linnaeus, 1758)
Philonicus albiceps (Meigen, 1820)
Rhadiurgus variabilis (Zetterstedt, [1838]) *
Tolmerus atricapillus (FallÉn, 1814)
Tolmerus cingulatus (Fabricius, 1781)
Tolmerus poecilogaster (Loew, 1849) [fragwürdiges Taxon]
Tolmerus pyragra (Zeller, 1840)

Unterfamilie Dasypogoninae

Dasypogon diadema (Fabricius, 1781)
Leptarthrus brevirostris (Meigen, 1804)
Molobratia teutonus (LinnAEUS, 1767)

Unterfamilie Dioctriinae

Dioctria atricapilla Meigen, 1804
Dioctria bicincta Meigen, 1820 *
Dioctria cothurnata Meigen, 1820 *
Dioctria harcyniae Loew, 1844
Dioctria humeralis Zeller, 1840
Dioctria hyalipennis (Fabricius, 1794)
Dioctria lateralis Meigen, 1804
Dioctria linearis (Fabricius, 1787)
Dioctria oelandica (Linnaeus, 1758)
Dioctria rufipes (De Geer, 1776)

Unterfamilie Laphriinae

Andrenosoma atrum (Linnaeus, 1758)
Choerades castellanii (Hradský, 1962) *
Choerades dioctriaeformis (Meigen, 1820) [fragwürdiges Taxon]
Choerades femorata (Meigen, 1804) *
Choerades fimbriata (Meigen, 1820) *
Choerades gilva (Linnaeus, 1758)
Choerades ignea (Meigen, 1820)
Choerades marginata (Linnaeus, 1758)
Laphria flava (Linnaeus, 1761)
Laphria gibbosa (Linnaeus, 1758) *

Unterfamilie Leptogastrinae

Leptogaster cylindrica (De Geer, 1776)
Leptogaster guttiventris Zetterstedt, 1842
Leptogaster pubicornis Loew, 1847 *
Leptogaster subtilis Loew, 1847

Unterfamilie Stenopogoninae

Cyrtopogon lateralis (Fallén, 1814)
Holopogon fumipennis (Meigen, 1820)
Holopogon nigripennis (Meigen, 1820)

Unterfamilie Stichopogoninae

Lasiopogon cinctus (Fabricius, 1781)
Stichopogon elegantulus (Wiedemann in Meigen, 1820)

Bei den mit Sternchen * markierten Taxa handelt es sich um Erstnachweise für Rheinland-Pfalz.

5. Literatur

  • CÖLLN, * & M. NIEHUIS (2003): [Vespidae, Eumenidae vom Roßstein]. Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz 10 (1): *. Landau.
  • GEISSEN, H.-P. & M. NIEHUIS (2001): Insekten aus artenärmeren Ordnungen aus Malaisefängen vom Roßstein bei Dörscheid am Mittelrhein (Insecta: Ephemeroptera, Dermaptera, Blattodea, Saltatoria, Raphidioptera, Planipennia, Trichoptera, Mecoptera). Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz 9 (3): 951-961. Landau.
  • GELLER-GRIMM, F. (1995): Autökologische Studien an Raubfliegen (Diptera: Asilidae) auf Binnendünen des Oberrheintalgrabens. Unveröff. Diplomarbeit TH-Darmstadt. 124 S., Darmstadt
  • GELLER-GRIMM, F. (1996): Faunistische Bearbeitung der Raubfliegen Hessens (Diptera: Asilidae). Mitteilungen der Pollichia 83: 243-282. Bad Dürkheim.
  • GELLER-GRIMM, F. (1999): Asilidae. 88-90. In: Schumann, H., Bährmann, R. & A. Stark (Hrsg.): Checkliste der Dipteren Deutschlands. Studia dipterologica Supplement 2: 354 S. Halle (Saale).
  • GELLER-GRIMM, F. (2003): Fotoatlas und Bestimmungsschlüssel der Raubfliegen Deutschlands (Diptera: Asilidae). CD-ROM. Halle (Saale)
  • GÜNTHER, H. & M. NIEHUIS (2002): Wanzen (Insecta: Heteroptera) eines xerothermen Standorts im Mittelrheintal (Rheinland-Pfalz). Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz 9 (4): 1173-1182. Landau.
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Manuskript eingereicht am 3. Mai 2003.

Anschriften der Verfasser:

Fritz Geller-Grimm, Museum Wiesbaden [MWNH], Naturwissenschaftliche Sammlung, Friedrich-Ebert-Allee 2, D-65185 Wiesbaden, fritz[at]geller-grimm.de

Torsten Dikow, Cornell University, Department of Entomology, Comstock Hall, Ithaca, NY 14853, USA, torsten[at]tdvia.de

Dr. Manfred Niehuis, Im Vorderen Großthal 5, D-76857 Albersweiler, niehuis[at]t-online.de

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Compiled by: F. Geller-Grimm